Nachruf auf Gertraude Krell

GKrellGertraude Krell, ehemals Professorin für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Personalpolitik an der Freien Universität Berlin und Gründungsmitglied von efas, ist Anfang diesen Jahres ihrem langjährigen Krebsleiden erlegen.

Aufgewachsen im hessischen Groß-Bieberau hat Gertraude Krell in den 1970er Jahren an der Freien Universität Berlin Soziologie, Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre studiert. Nach Tätigkeiten als wissenschaftliche Mitarbeiterin bzw. Assistentin an der Universität Oldenburg nahm sie im Jahr 1991 den Ruf an die Freie Universität Berlin an. Zu ihrem wichtigsten Forschungsschwerpunkt zählte das Thema Gender und Diversity. So verfasste sie zum Beispiel ihre Dissertation über „Das Bild der Frau in der Arbeitswissenschaft“ (1984), und sie war (Mit-)Herausgeberin der Bände „Frauenerwerbsarbeit: Forschungen zu Geschichte und Gegenwart“ (1993), „Personalpolitik aus der Sicht von Frauen – Frauen aus der Sicht der Personalpolitik“ (1993) und „Betriebswirtschaftslehre und Gender Studies“ (2005). Für ihr Groß-Projekt und Standardwerk „Chancengleichheit durch Personalpolitik“ wurde sie im Jahr 2003 mit dem Margherita-von-Brentano-Preis der Freien Universität Berlin ausgezeichnet.

Gertraude Krell hat nicht nur maßgeblich zur Etablierung von Gender und Diversity als Forschungsgebiet in der Betriebswirtschaftslehre beigetragen, sondern sie hatte stets engen Kontakt mit einer Vielzahl von gleichstellungspolitischen Praktiker_innen in Betrieben, öffentlichen Institutionen, Gewerkschaften und der Politik. In der efas-AG war sie noch im vergangenen Jahr aktiv. Dort hat sie sich wie keine andere stets sowohl für den Zusammenhalt der verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen „im Dienste“ der Chancengleichheit von Frauen und Männern eingesetzt wie auch die Theorien und Perspektiven der einzelnen Disziplinen kritisch reflektiert. Die spezielle Mischung aus ihrem geschlechterpolitischen Kampfgeist und ihrem unbeirrbaren Kritikvermögen wird uns fehlen.

Renate Ortlieb, Karl-Franzens-Universität Graz