FACHTAGUNG 2020

Call: Beiträge zur efas-Fachtagung 2020: „Geschlechtergerecht durch die Pandemie? Ökonomische Analysen aus feministischer Perspektive“

Das Ökonominnen-Netzwerk efas lädt dazu ein, Vortragsideen für die 18. efas-Fachtagung am 3. und 4. Dezember 2020 einzureichen, die die aktuelle Situation von Frauen in der Corona-Krise reflektieren. Wir freuen uns dabei sowohl über abgeschlossene Beiträge als auch über laufende Projekte in den unterschiedlichen Stadien des Forschungsprozesses. Hier finden Sie den Call als PDF.

Die Corona-Epidemie, die Krisenhaftigkeit des Gesundheitssystems, die sie sichtbar gemacht und verschärft hat, die politischen Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung, die sich daran anschließende wirtschaftliche Krise, auf die wiederum mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen reagiert wird – all dies sind gesellschaftliche Herausforderungen, die von feministischen Ökonom_innen analysiert werden müssen. Aus feministischer Sicht stellt sich erneut die Frage, welche Bedeutung die Arbeit von Frauen gesamtgesellschaftlich hat und wie sich dies für die Frauen auszahlt. Es sind Frauen, die im Privaten einen großen Teil jener Care-Arbeiten übernehmen, die infolge des Shutdowns liegen bleiben, allem voran die Kinderbetreuung. Dies verweist auf eine geschlechtliche Arbeitsteilung in den privaten Haushalten, die schon vorher ungleich war, ebenso wie die implizite Annahme von politischen Akteur_innen, dass diese Aufgaben in der Krise von den Familien aufgefangen werden. Daraus können sich in der Folge weitere Benachteiligungen für Frauen im Erwerbsleben ergeben. Gleichzeitig kann diese Situation auch Chancen eröffnen, indem sie ermöglicht, die Aufgabenteilung innerhalb von Partnerschaften neu zu diskutieren, das Engagement auch von Vätern, das sich in der Krise gezeigt hat, aufzugreifen und die verstärkte Aufmerksamkeit, die die Frage der Kinderbetreuung in den letzten Wochen bekommen hat, für gesellschaftlichen Lösungen zu nutzen.

Des Weiteren zeigt sich, dass es insbesondere die Erwerbsarbeiten von Frauen sind, die z.B. im Gesundheitssystem, aber auch im Lebensmitteleinzelhandel, die Grundversorgung der Bevölkerung gewährleisten. Sie sind grundlegend für das Funktionieren der Gesellschaft insgesamt und damit auch für die Wirtschaft, stehen aber selten im Zentrum wirtschaftspolitischer Debatten und Programmatiken. Dass dies in den vergangenen Wochen so sichtbar geworden ist wie selten zuvor, könnte eine Chance dafür sein, die seit Jahren geforderte monetäre Aufwertung dieser meist schlecht bezahlten Berufe wieder auf die Agenda zu setzen und vielleicht auch endlich umzusetzen.

Auch wenn wir die wirtschaftliche Krise betrachten, die auf die Epidemie und die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung folgt, sehen wir, dass sich diese für die Geschlechter unterschiedlich auswirkt: Während des Shutdowns waren und sind Frauen beispielsweise stärker von Arbeitszeitreduktionen und damit von Lohneinbußen betroffen. Wenn sie in Kurzarbeit sind, erhalten sie seltener eine Aufstockung. Bleibt die Frage, ob sich dies in der Krisenbewältigung fortsetzt: Welche un/intendierten geschlechtsspezifischen Wirkungen werden die nun folgenden staatlichen Konjunktur- und Rettungsprogramme entfalten und welche geschlechtergerechten Alternativen gibt es, denen Gehör zu verschaffen wäre?

Die Krise macht sichtbar, welche ökonomischen und sozialpolitischen Verhältnisse defizitär sind, allen voran die Art und Weise, wie Care in unserer Gesellschaft organisiert ist. Sie zeigt auf, wie stark traditionelle Geschlechterarrangements immer noch Teil dieser Verhältnisse sind. Gleichzeitig ergeben sich aus dieser Sichtbarkeit auch neue Chancen dafür, geschlechtergerechte Veränderungen auf die Tagesordnung zu setzen. Welche Theorien und Ansätze der feministischen Ökonomie können uns dabei helfen, die Situation heute zu begreifen? Welche neuen Erkenntnisse und Konzepte benötigen wir? Welche Auswirkungen haben die verschiedenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen auf Frauen und Geschlechterverhältnisse? Was müssen wir tun, um Entlohnung und Arbeitsbedingungen in den Care-Berufen nachhaltig zu verbessern? Welche Reformen brauchen wir, um zu einer partnerschaftlicheren Teilung der häuslichen Care-Arbeit zu gelangen? Was für geschlechtergerechte Vorschläge können wir für diese verschiedenen Herausforderungen entwerfen und wie schaffen wir es, dass diese auch umgesetzt werden?

Wir bitten alle Interessierten bis spätestens 15. September 2020 Vorschläge für Beiträge innerhalb dieser Themengebiete via Email an die efas-Geschäftsstelle (efas-netzwerk@htw-berlin.de) einzureichen (max. eine Seite als pdf-Datei).

In welcher Form die Tagung stattfinden wird (online/offline/eine Mischform), steht leider noch nicht fest. Die endgültige Entscheidung darüber werden wir erst am 15.10.2020 treffen können, wir bitten um Ihr Verständnis. Falls Sie jetzt schon wissen, dass Sie nur online teilnehmen können, bitten wir Sie, uns dies mitzuteilen.